
F: Beim dritten Mal hatten Sie Glück und gewannen das Semifinale. War der Sieg dadurch einfacher oder schwieriger?
A: Ja, natürlich hat bei mir mitgespielt, dass ich nicht der Typ sein wollte, der es fast geschafft hat, aber eben nur fast!
Ich hatte das Gefühl, dass ich in den ersten beiden Semifinalen einfach Pech hatte. Nach einem ganz guten Start holte ich mir in beiden Semifinalen den Chip-Lead und wollte ordentlich Druck machen, bevor die Blinds zu hoch sein würden. In dieser Situation hätte ich unbedingt Glück gebraucht, aber ich hatte so unglaublich schlechte Karten. Ich versuchte zwar einiges, konnte aber wegen meiner schlechten Karten nichts umsetzen. Ich musste zwei Coin-Flips hinnehmen und verlor beide Male an die jeweiligen Semifinalsieger.
Ich hatte mir vorgenommen, im dritten Semifinale, wenn ich wieder so eine Flaute erleben würde, trotzdem alles zu versuchen, bevor die Blinds zu hoch sein würden. Ich denke, dass ich das durchgezogen habe, obwohl es zeitweise nicht so gut für mich lief. Immerhin stieg ich vom Chip-Leader zum Short Stack ab, nachdem ich mit ein paar großen Blättern verloren hatte. Aber im Gegensatz zu den letzten beiden Semifinalen waren meine Karten diesmal etwas besser, als es darauf ankam :)
F: Haben Sie sich schon überlegt, wie sich die Auszahlungsstruktur auf das Finalspiel in Wien auswirken könnte, da mehr als die Hälfte des garantierten Preispools von $500.000 an den Sieger geht?
A: Ich denke, dass das Spiel bei diesem Geldbetrag ziemlich tight sein wird. Aber, wie Sie schon sagten, bei einer so hohen Auszahlung für den Sieger, könnte es auch sein, dass die Teilnehmer mehr Risiko eingehen, um zu gewinnen.
F: Haben Sie schon Pläne, was Sie mit dem Gewinn anfangen werden? Natürlich wird das davon abhängen, welchen Platz Sie erreichen, aber haben Sie schon eine Reise geplant oder sich Autos angesehen oder Ähnliches?
A: Da bis zum Finale viel Zeit war, konnte ich mir diese Frage gründlich durch den Kopf gehen lassen. Als ich vor einigen Monaten mit dem professionellen Spielen begann, hatte ich noch nicht den finanziellen Rückhalt in Form einer Bankroll und dadurch auch nicht die freie Wahl bei der Auswahl meiner Turniere.
Obwohl ich langsam aber sicher einen ansehnlichen Gewinn machte, seitdem ich professionell spiele, muss ich mir die Gewinne auszahlen lassen, damit ich alle anfallenden Lebenskosten bestreiten kann. Deshalb kann ich noch immer nicht frei entscheiden, welche Turniere ich spiele. Spätestens nach dem Finale wird dieses Problem aus der Welt sein und als Allererstes werde ich meine Online-Bankroll aufstocken.
Wenn ich den vierten oder einen besseren Platz erlange, oder – noch besser – den dritten oder einen besseren Platz, möchte ich nächstes Jahr viel Zeit in Vegas bei der WSOP verbringen und in möglichst vielen Events spielen, hauptsächlich in Side Events. Ich bin nicht so erpicht auf das Main Event, würde aber gern an einem Dutzend Side Events teilnehmen.
Wenn ich den ersten Preis gewinne, kann ich natürlich alle diese Dinge machen – und noch ein bisschen mehr :)
F: Haben Sie noch Kontakt zu anderen Qualifikanten, die Sie auf Ihren Reisen kennen lernten? Kommen Fans mit Ihnen nach Wien, um Sie beim Finale anzufeuern?
A: Ja, ich habe noch Kontakt zu einigen und habe mir auch fest vorgenommen, mich bald mit ihnen zu treffen. Wahrscheinlich werde ich mit etwa der Hälfte der Leute, die ich auf den Reisen kennen lernte, über Facebook oder so in Kontakt bleiben.
Auf den Reisen traf ich wirklich sehr nette Leute und einige davon sind mittlerweile zu sehr guten Freunde geworden. Zum Finale wird mich wahrscheinlich meine Freundin Zoe begleiten. Brands Hatch war ihre erste Poker-Reise und das hat ihr so gut gefallen, dass sie sich schon riesig auf Wien freut. In Brands Hatch brachte sie mir Glück – ich habe also Grund zur Hoffnung.
F: Möchten Sie noch etwas hinzufügen?
A: Ich möchte mich bei allen Teammitgliedern für ihre harte Arbeit rund um diesen Event bedanken.
Auf diesen Reisen wird dir so richtig bewusst, was für ein gigantischer logistischer Aufwand hinter so einem Event steckt und wie viele Leute nötig sind, um so etwas auf die Beine zu stellen.
Die Betreuer von PokerRoom sind bei diesen Events ständig auf Achse und machen alles, damit es den Teilnehmern gut geht – angefangen damit, dass sie mit dir nächtelang Clubs abklappern, bis hin zur Suche vermisster Koffer.
Ein Beispiel zeigt ihre Einsatzbereitschaft besonders gut. Eines Nachts gingen wir in Colchester aus und wurden nicht in einen Nachtclub eingelassen, weil die Hälfte von uns Turnschuhe trug. Ein Mitglied des PokerRoom Teams, das sich eigentlich gut amüsiert hatte, zog einfach seine Schuhe aus und gab sie einem der Spieler, sodass er ins Lokal gehen und sich die Nacht um die Ohren schlagen konnte.
PokerRoom gibt sich wirklich besondere Mühe, damit es den Spielern auf den Reisen an nichts fehlt!